
Ein Sabbatical, das anders kam als geplant
Im März 2020 war ich in Indien, um meine Yoga-Ausbildung zu machen – nicht mit dem Ziel, Yogalehrerin zu werden, sondern ganz für mich. Ich hatte schon viele Jahre Yoga praktiziert und wollte in meinem Sabbatical einfach tiefer eintauchen, mich neu ausrichten und spüren, wie es für mich beruflich weitergehen könnte.
Zu der Zeit arbeitete ich noch in einem Kinderheim, in der Inobhutnahme – ein intensiver Job, der viel Kraft kostet. Ich wusste: Es darf sich etwas verändern.
Doch mitten während der Ausbildung kam Corona.
Ich beendete sie noch, aber statt danach weiterzureisen, musste ich nach einem Monat zurück nach Deutschland. Das Reisen war unmöglich geworden, mein Sabbatical irgendwie “unterbrochen”.
Auf der Suche nach einem offenen Ort
Im Januar 2021 wollte ich mein Vorhaben nachholen. Ich suchte nach einem Ort in Europa, der nicht als Risikogebiet galt – und so kam Madeira auf meinen Radar. Ich wusste kaum etwas über die Insel, aber sie fühlte sich nach Möglichkeit an.
Ich kam in einem Ayurveda-Hotel in Caniço unter, ganz im Osten der Insel. Mein Zimmer hatte einen Balkon mit Blick auf den Ozean, und jeden Abend schenkte mir der Sonnenuntergang ein Gefühl von Staunen und innerer Ruhe. Danach verbrachte ich zwei Tage in Funchal – und dann kam Paul do Mar.
Der Moment, der alles veränderte
Ich hatte das kleine Fischerdorf ehrlich gesagt nur ausgewählt, weil ich ein wunderschönes Airbnb direkt am Meer gefunden hatte. Ich wollte einfach mal die andere Seite der Insel sehen.
Die Fahrt dorthin war magisch: die alte Straße schlängelte sich vom Berg hinunter zum Meer, die Sonne stand tief, das Licht wurde golden – und plötzlich lag es da: Paul do Mar, eingebettet zwischen Bergen und Atlantik.
Ich sah das Dorf – und wusste: Hier ist etwas.
Statt der geplanten drei Tage blieb ich anderthalb Monate.
Es war ruhig, windig, manchmal regnerisch, fast verschlafen – aber ich fühlte mich sofort verbunden. Ich war schon viel gereist, aber nie hatte ich das Bedürfnis, irgendwo zu bleiben. Bis dahin.
Mein Start mit dem Yoga-Unterrichten
In dieser Zeit fing ich an, Online-Yogastunden mit Freund*innen und Familie in Deutschland zu machen. Ich wollte meine Aussicht teilen, die Ruhe, das Licht – und ihre Begeisterung hat mich bestärkt. So begann ich ganz nebenbei mit dem Unterrichten.
Zurück in Deutschland habe ich meinen Job im Kinderheim gekündigt. Ich wusste: Ich will zurück nach Madeira.
Von Mai bis November wollte ich es einfach ausprobieren – leben, unterrichten, ganz im Moment sein. Ich hatte keine große Strategie, nur das Gefühl, dass ich es versuchen sollte.
Ein magischer Ort – mit Ecken und Kanten
Ich fing an, Yoga am Hafen von Paul do Mar anzubieten. Am Anfang kam niemand – das Dorf ist klein, kein Touristenhotspot, und Corona war ja auch noch da. Aber ich blieb. Und mit der Zeit kamen die ersten Menschen. Einige kannten mich online, andere waren einfach neugierig.
Heute fragen mich viele gezielt nach Yogastunden an genau diesem Ort – weil sie spüren, dass hier etwas Besonderes ist.
Ich habe mittlerweile viele Seiten von Paul do Mar kennengelernt – nicht nur die stillen Momente, sondern auch die Sommermonate, in denen hier gefeiert wird. Das Dorf hat auf Madeira seinen ganz eigenen Ruf – ein bisschen wild, ein bisschen frei, sehr echt.
Zuhause zwischen Bergen, Meer und Mandalas
Ich liebe diesen Ort – mit all seinen Facetten.
Wenn das Meer ruhig ist, gehe ich fast täglich schwimmen. Ich lebe hier im Rhythmus der Natur, biete Yoga, Meditationen und kreative Workshops an – zum Beispiel in der Bananenplantage. Und ich teile das, was ich hier erfahren habe.

Paul do mar & ich 🙂
Meine Hündin, die ursprünglich jemand anderem im Dorf gehörte, begleitet mich inzwischen überallhin. Und Paul do Mar?
Das ist mein Zuhause geworden.
Trotzdem vermisse ich oft meine Heimat Frankfurt – vor allem meine Freund*innen und die langjährigen Verbindungen, die über viele Jahre gewachsen sind. Fast 20 Jahre lang habe ich dort mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, und genau deshalb freue ich mich immer sehr, wenn ich regelmäßig zurückkomme und dort Workshops geben kann. Diese Verbindung zu halten und weiterzugeben, ist für mich genauso wichtig wie das, was ich hier auf Madeira aufbaue.